Presse

Studieren bis zum Opernstar
09.03.2008 | 18:20 |  MONIKA DLUGOKECKI UND JUDITH LECHER (Die Presse)

Das Ausbildungs-Angebot ist in Österreich groß, die Konkurrenz auch.

Eines sei gleich vorab gesagt: Der Weg zum Opernstar ist lang und steinig. Eine gute Stimme ist Voraussetzung, um auf einer Opernbühne singen zu dürfen. Aber, so sagt Stefanie Kopinits vom Konservatorium Wien, einer der akademischen Ausbildungsstätten für Opernsänger: „Schön singen allein ist nicht genug.“ Selbst wenn man nicht von einer Karriere à la Anna Netrebko träumt.

Die Konkurrenz im gesamten Opernbetrieb werde nämlich immer größer. „Wegen der steigenden Zahl von Studenten und der immer schnelleren Fluktuation im Opern- und Konzertbetrieb wird es immer schwieriger“, sagt Kopinits.

Den ganzen Tag nur singen?
Und so setzen die Konservatorien und Musik-Universitäten stark auf das, was sie eine „umfassende Ausbildung“ nennen. In einigen Fällen wird Oper als Master-Studium angeboten, das einen Bachelor-Degree in Gesang voraussetzt. So soll garantiert sein, dass die Bewerber stimmtechnisch ausgebildet sind. Eine Aufnahmeprüfung ist sowieso Standard.

Am Konservatorium Wien steht beim viersemestrigen Masterstudium Oper der szenische Unterricht im Vordergrund, neudeutsch „Staging“ genannt. Die pro Semester 25 bis 30 Studenten erarbeiten unter dem Jahr einzelne Szenen und zusätzlich jedes Jahr eine gesamte Oper. Die wird zwecks „Bewährung vor dem Publikum“ auch öffentlich aufgeführt.

Wird dort also den lieben, langen Tag nur gesungen? Nicht ganz, aber fast. Neben ergänzendem Gesangsunterricht und dem Erarbeiten von Partien mit einem Pianisten, stehen Theorie wie Geschichte der Oper oder Sprach-, Bewegungs- oder Musik-Improvisation und Selbstmanagement (Zeitmanagement, Prioritätensetzung, Frustrationstoleranz) auf dem Stundenplan.

Alternativ zum Masterstudium Oper wird am Konservatorium Wien Sologesang als Bachelor- und weiterführend als Masterstudium (Dauer: acht bzw. vier Semester) angeboten. Damit ist eine Karriere in allen Bereichen der klassischen Vokalmusik, Lied und Oratorium sowie Oper möglich. Am Beginn der Ausbildung steht die Entwicklung der Stimme im Vordergrund. Ganz unerfahren darf man dennoch nicht sein, Notenlesen und Grundkenntnisse der Harmonielehre werden etwa vorausgesetzt.

Klavier als Pflichtfach
Das Klassik-Studium am Franz-Schubert-Konservatorium dauert sechs Jahre und wird mit künstlerischem Diplom und Bühnenprüfung abgeschlossen. Um überhaupt zugelassen zu werden, benötigt man keine Matura. Allerdings müssen zusätzlich zur Aufnahmsprüfung bestimmte Fächer bereits absolviert worden sein – etwa im Rahmen der Musikschule des Konservatoriums. Dazu gehören die Grundkurse in Allgemeiner Musikbildung (Was ist eine Terz?), Gehörbildung (Erkennen einer großen oder kleinen Terz, von Intervallen) und Solfeggio (Singen nach der italienischen Notengebung: do-re-mi-fa-so-la-si).

Ist die Aufnahme ins Konservatorium geschafft, muss neben Gesang drei Jahre lang viel Theorie gelernt werden: Instrumentenkunde und Satzlehre, Musikgeschichte und Strukturanalyse. Bis zum fünften Jahr kommt zusätzlich verpflichtender Klavierunterricht dazu. „In den letzten beiden Jahren gibt es dann fast ausschließlich Praxis“, sagt Mag. Daniela Egg aus dem Rektorat des Franz-Schubert-Konservatoriums.

An der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien dauert das Diplomstudium Gesang ebenfalls sechs Jahre, im dritten Abschnitt beginnt die Spezialisierung auf Lied und Oratorium oder Musikdramatische Darstellung (Oper). „Je nach Neigung und Fähigkeiten“ können auch beide Zweige studiert werden.

Davor braucht man allerdings einmal eine bestandene Matura oder Studienberechtigungsprüfung und eine positiv absolvierte Zulassungsprüfung. Letztere besteht aus Musiklehre (Notenlesen, Intervall- und Akkordlehre), einer Gehörprüfung (Erkennen einfacher Rhythmen und Harmonien) und einem Vorsingen. Pro Semester nehmen 15 bis 20 Studenten diese erste Hürde für die Ausbildung zum Opernsänger.

Neben Stimmbildung und Musiktheorie werden im ersten Abschnitt (vier Semester) Atem- und Körperschulung, Stimmhygiene und Aussprache des Italienischen, Französischen und Russischen unterrichtet. Wer die erste und zweite Diplomprüfung absolviert hat, kann sich spezialisieren. Im Studienzweig Lied und Oratorium kommen Fächer wie alte und moderne Musik dazu, bei Musikdramatischer Darstellung Rechtskunde, Maske und Körperschulung.

Ist das alles geschafft, beginnt die eigentliche Herausforderung: Das Vorsingen an Opernhäusern.Gibt es dabei irgendwelche Tricks? Oder verschaffen bestimmte Ausbildungsstätten beim Vorsingen eine besonders gute Startposition?

Zumindest offiziell sind die Diplome aller Konservatorien und Musik-Universitäten gleich anerkannt, wie es aus der Staatsoper gegenüber „UniLive“ heißt. „Es kommt nur auf die Qualität des Vorsingens an.“ Passt diese, dann kann er doch beginnen, der Traum von einer Karriere à la Netrebko.

www.fsk.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2008)

 

Als Kristina Sprengers „SOKO Kitzbühel“-Kollege „Lukas Roither“ jagt Jakob Seeböck, 34, dienstags (20.15 Uhr, ORF1) Kriminelle. Privat mag er es, unerkannt zu bleiben, wie er dem WOCHE-Reporter Gerald Vukits verriet.

Herr Seeböck, wir sitzen hier in einem Kaffeehaus beim Frühstück, aber
Ihr Ei haben Sie noch nicht angerührt ?
Ich habe leider das falsche Frühstück bestellt. Ich darf keine Eier essen und keine Milch trinken. Das vertrage ich nicht. Statt Kuhmilch trinke ich Sojamilch.                       
Sie feiern also Ostern ohne Ostereier?
Ja. Was mich betrifft, schon. Aber mein 20 Monate alter Sohn Valentin darf natürlich seine bunten Ostereier suchen. Wir werden den Ostersonntag bei der Familie meiner Lebensgefährtin Michaela in der Steiermark verbringen.
Werden Sie danach wieder zum Pendler?
Wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, schon. Ab 4. Mai drehe ich wochentags für „SOKO Kitzbühel“ in Tirol, aber an den Wochenenden möchte ich so oft wie möglich bei meiner Familie in Wien sein. Im Vorjahr habe ich deswegen auf der Autobahn zwischen Wien und Kitzbühel 24.000 Kilometer zurückgelegt. Und das meistens nachts. Da brauche ich für eine Strecke nur etwas mehr als drei Stunden.
Werden Sie in diesem Jahr Ihre Lebensgefährtin Michaela heiraten?
Wir würden gerne den Bund fürs Leben schließen, aber heuer haben wir keine Zeit dafür. Ich drehe bis Oktober, und im Winter wollen wir nicht heiraten. Vielleicht geht es sich nächstes Jahr im Herbst aus. Jedenfalls möchten wir gleich nach der Hochzeit die Hochzeitsreise antreten. Dafür brauchen wir jedoch Zeit.
Das heißt, bis Oktober stehen Sie an der Seite des Aushängeschildes der
Krimi-Serie „SOKO Kitzbühel“, Kristina Sprenger. Sie sind ihr dritter Ermittler-Kollege. Wie verstehen Sie sich mit ihr?
Blendend. Sie ist ein lieber Mensch, der voller Energie steckt. Da habe ich manchmal Mühe, Schritt zu halten. Sie ist immer auf dem Punkt, immer da und bei der Arbeit äußerst ehrgeizig. In der Serie bleiben wir zwar ein Team, werden aber künftig nicht immer gemeinsam ermitteln, sondern getrennt Verdächtige befragen.
Derzeit ist dienstags die zweite Staffel mit Ihnen als Kriminalbeamten zu sehen. Werden Sie auf der Straße oft erkannt?
Nein, überhaupt nicht. Privat bin ich gerne unrasiert, deshalb sehe ich im Fernsehen jünger aus - wird mir gesagt ...
Die Kriminalitätsrate in unserem Land ist besorgniserregend.
Fühlen Sie sich noch wohl?
Es gibt keinen Grund zum Jammern. Denn im internationalen Vergleich sind wir bezüglich Sicherheit weit vorne. Ich habe überhaupt keine Angst, vielleicht auch deshalb nicht, weil ich noch nie betroffen war. Außer einmal, als mein Autoradio gestohlen wurde.
Das könnte sich doch wiederholen?
Ja, aber das kann in jedem Land passieren.
Sie sind der Sohn der Schauspielerin Erika Mottl, 68, und des am 1. März dieses Jahres verstorbenen Schauspielers und Regisseurs Herwig Seeböck. Bekamen Sie von Ihren Eltern Schauspielunterricht?
Von Seiten meines Vaters wurde ich in völliger Freiheit erzogen. Auf seinen Kranz ließ ich deshalb schreiben: „Danke für die Freiheit und für den Spaß.“ Für meinen Vater gab es keine Kompromisse. Die nötige Diplomatie hat mir meine Mutter beigebracht.
... und wie sah es beruflich aus?
Schauspielunterricht habe ich nie genommen. Dafür haben mich meine Eltern gut beraten und auch an Texten mit mir gearbeitet. Als Jugendlicher gaben sie mir das Vertrauen, auf mich selbst zu schauen. Deshalb konnte ich mich zu einer ausgeglichenen Persönlichkeit entwickeln. Dass wir nicht immer einer Meinung waren, ist klar (lacht). Mein Vater wollte, dass ich meinen eigenen Weg finde. Unser Verhältnis war bis zu seinem Tod eng und liebevoll.
Woran starb Ihr Vater?
An einer Lungenentzündung. Er wurde am Grinzinger Friedhof in Wien beigesetzt.
Erzählte Ihnen Ihr Vater davon, wie er zu seinem größten Erfolg „Die große Häfenelegie“ kam?
Eines vorweg: Als Jugendlicher war er ein „stadtbekanntes Kind“ in seiner Wiener Heimat Grinzing. Mein Vater war eine Wildsau. Und das war er dann später auch auf der Bühne. Die Polizisten in Grinzing warteten damals nur darauf, dass sie ihn einmal erwischen konnten. So drehten Vaters Freunde und er auf der Wiener Höhenstraße öfter die Straßenbeleuchtung ab. Es galt als Mutprobe, als letzter wegzurennen, wenn die Polizei kam. Mein Vater hat immer gewonnen und wurde nie erwischt.
Mit 25 Jahren allerdings schon ...
Damals hat er an einem Grinzinger Lokal bei einem Küchenmädchen im ersten Stock gefensterlt. Als er dabei von der Polizei ertappt wurde, nahm er laut Aussage des Polizisten eine  „Boxerstellung“ ein. Wegen „Widerstandes gegen die Staatsgewalt“ wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt. Nach viereinhalb Monaten kam er raus. Seine Erlebnisse im Gefängnis verarbeitete er zum Bühnenstück „Die große Häfenelegie“. Damit wurde er im Jahr 1965 populär.
Wodurch soll Ihnen dieser Coup gelingen?
Mit „SOKO Kitzbühel“ ist ein guter Anfang gemacht. Vielleicht gelingt mir, was Johnny Depp, meinem Vorbild, gelungen ist. Er schaffte es von der Serie zum Film. Meine Karriere als Schlagzeuger habe ich ja beendet.
Jakob Seeböck wurde am 14. September 1976 in Wien geboren. Er besuchte das Wiener Franz-Schubert-Konservatorium und spielte danach am Stadttheater St. Pölten sowie am Wiener Volkstheater. Seit zwei Jahren ist er als Ermittler „Lukas Roither“ in der Krimireihe „SOKO Kitzbühel“ zu sehen. Jakob Seeböck hat eine Schwester namens Ida, 39, und zwei Halbgeschwister väterlicherseits. Sein Halbbruder Max, 48, befasst sich in Alland (NÖ) als Gärtner mit exotischen Pflanzen. Seine Halbschwester Caterina, 41, ist kaufmännische Angestellte. Jakob Seeböcks Lebensgefährtin Michaela, 30, arbeitet in der kaufmännischen Direktion des Wiener Volkstheaters. Ob der gemeinsame Sohn Valentin, 20 Monate, ein Geschwisterl bekommt, „ist noch nicht entschieden“, meint Seeböck.


Kontakt

Franz Schubert Konservatorium Wien d. Hr. Prof. Karl Svec-Leitung: Mag. Daniela Egg

Eßlinggasse 9
Wien
1010


+43 (0) 1 587 47 87